Biografie

Die Lebensgeschichte einer Frau, die trotz aller Widerstände die Mathematik revolutionierte.

Ihr Lebensweg

Von der bayerischen Kleinstadt Erlangen bis an die Spitze der internationalen Mathematik.

Emmy Noethers Leben ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Wissenschaftlerin, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzte. Trotz institutioneller Diskriminierung als Frau und später als Jüdin im nationalsozialistischen Deutschland hinterließ sie ein Werk, das die Mathematik und Physik bis heute prägt.

Zeitstrahl

23. März 1882

Geburt in Erlangen

Amalie Emmy Noether wird in Erlangen, Bayern, als Tochter des Mathematikprofessors Max Noether und seiner Frau Ida Amalia geboren. Sie wächst in einem bildungsfreundlichen Umfeld auf und zeigt früh Interesse an Mathematik.

1897 – 1900

Schulbildung

Emmy besucht die Städtische Höhere Töchterschule in Erlangen und legt 1900 die Prüfung als Lehrerin für Englisch und Französisch ab. Doch statt zu unterrichten, strebt sie eine akademische Laufbahn an.

1900 – 1902

Gasthörerin an der Universität Erlangen

Da Frauen in Bayern noch nicht regulär studieren dürfen, besucht Emmy als Gasthörerin Vorlesungen in Mathematik. Sie ist eine von nur zwei Frauen unter knapp tausend Studierenden.

1903 – 1904

Studium in Göttingen

Emmy verbringt ein Semester in Göttingen, dem damaligen Zentrum der Mathematik, und hört Vorlesungen bei David Hilbert, Felix Klein und Hermann Minkowski.

1904

Immatrikulation in Erlangen

Nach einer Gesetzesänderung dürfen Frauen in Bayern offiziell studieren. Emmy schreibt sich an der Universität Erlangen ein und studiert bei Paul Gordan.

1907

Promotion „summa cum laude“

Emmy promoviert unter Paul Gordan mit der Arbeit „Über die Bildung des Formensystems der ternären biquadratischen Form“. Sie erhält die Bestnote „summa cum laude“.

1908 – 1915

Unbezahlte Arbeit in Erlangen

Trotz ihrer Promotion darf Emmy als Frau nicht habilitieren. Sie arbeitet sieben Jahre lang unbezahlt am Mathematischen Institut in Erlangen und unterstützt ihren alternden Vater bei der Lehre.

1915

Berufung nach Göttingen

David Hilbert und Felix Klein laden Emmy nach Göttingen ein, um an Problemen der allgemeinen Relativitätstheorie zu arbeiten. Gegen den Widerstand der philosophischen Fakultät setzt Hilbert sich für sie ein.

1918

Das Noether-Theorem

Emmy veröffentlicht ihr berühmtes Theorem, das einen fundamentalen Zusammenhang zwischen Symmetrien und Erhaltungssätzen in der Physik beschreibt. Dieses Theorem wird zu einem der wichtigsten Ergebnisse der theoretischen Physik des 20. Jahrhunderts.

1919

Habilitation

Erst nach dem Ende der Monarchie und der Einführung der Weimarer Republik wird Emmy die Habilitation ermöglicht. Sie darf nun offiziell Vorlesungen halten.

1920er Jahre

Blütezeit in Göttingen

Emmy wird zum Mittelpunkt einer Gruppe junger Mathematiker, den sogenannten „Noether-Boys“. Sie revolutioniert die abstrakte Algebra und veröffentlicht bahnbrechende Arbeiten über Idealtheorie, Ringe und Moduln.

1932

Internationaler Kongress in Zürich

Emmy hält einen Plenarvortrag auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Zürich – eine große Ehre und ein Zeichen internationaler Anerkennung.

April 1933

Entlassung durch die Nationalsozialisten

Nach der Machtergreifung der NSDAP wird Emmy als Jüdin auf Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ die Lehrerlaubnis entzogen.

Oktober 1933

Emigration in die USA

Emmy emigriert in die Vereinigten Staaten und nimmt eine Gastprofessur am Bryn Mawr College in Pennsylvania an. Sie lehrt außerdem am Institute for Advanced Study in Princeton.

14. April 1935

Tod in Bryn Mawr

Emmy Noether stirbt im Alter von nur 53 Jahren an den Folgen einer Operation. Die Mathematikwelt verliert eine ihrer brillantesten Köpfe. Albert Einstein würdigt sie in einem Nachruf in der New York Times.

Historischer Kontext

Deutsches Kaiserreich (1882–1918)

  • Frauen hatten keinen regulären Zugang zu Universitäten
  • Gasthörerinnen brauchten Erlaubnis jedes einzelnen Professors
  • Habilitationen für Frauen waren de facto verboten
  • Die Mathematik in Göttingen war das Weltzentrum der Forschung

Weimarer Republik & NS-Zeit (1919–1935)

  • Frauenwahlrecht und formale Gleichberechtigung ab 1919
  • Emmy erhält Habilitation, aber nie eine ordentliche Professur
  • 1933: „Berufsbeamtengesetz“ trifft jüdische Akademiker
  • Massenhafter Exodus deutscher Wissenschaftler in die USA