Die Lebensgeschichte einer Frau, die trotz aller Widerstände die Mathematik revolutionierte.
Von der bayerischen Kleinstadt Erlangen bis an die Spitze der internationalen Mathematik.
Emmy Noethers Leben ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Wissenschaftlerin, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzte. Trotz institutioneller Diskriminierung als Frau und später als Jüdin im nationalsozialistischen Deutschland hinterließ sie ein Werk, das die Mathematik und Physik bis heute prägt.
Amalie Emmy Noether wird in Erlangen, Bayern, als Tochter des Mathematikprofessors Max Noether und seiner Frau Ida Amalia geboren. Sie wächst in einem bildungsfreundlichen Umfeld auf und zeigt früh Interesse an Mathematik.
Emmy besucht die Städtische Höhere Töchterschule in Erlangen und legt 1900 die Prüfung als Lehrerin für Englisch und Französisch ab. Doch statt zu unterrichten, strebt sie eine akademische Laufbahn an.
Da Frauen in Bayern noch nicht regulär studieren dürfen, besucht Emmy als Gasthörerin Vorlesungen in Mathematik. Sie ist eine von nur zwei Frauen unter knapp tausend Studierenden.
Emmy verbringt ein Semester in Göttingen, dem damaligen Zentrum der Mathematik, und hört Vorlesungen bei David Hilbert, Felix Klein und Hermann Minkowski.
Nach einer Gesetzesänderung dürfen Frauen in Bayern offiziell studieren. Emmy schreibt sich an der Universität Erlangen ein und studiert bei Paul Gordan.
Emmy promoviert unter Paul Gordan mit der Arbeit „Über die Bildung des Formensystems der ternären biquadratischen Form“. Sie erhält die Bestnote „summa cum laude“.
Trotz ihrer Promotion darf Emmy als Frau nicht habilitieren. Sie arbeitet sieben Jahre lang unbezahlt am Mathematischen Institut in Erlangen und unterstützt ihren alternden Vater bei der Lehre.
David Hilbert und Felix Klein laden Emmy nach Göttingen ein, um an Problemen der allgemeinen Relativitätstheorie zu arbeiten. Gegen den Widerstand der philosophischen Fakultät setzt Hilbert sich für sie ein.
Emmy veröffentlicht ihr berühmtes Theorem, das einen fundamentalen Zusammenhang zwischen Symmetrien und Erhaltungssätzen in der Physik beschreibt. Dieses Theorem wird zu einem der wichtigsten Ergebnisse der theoretischen Physik des 20. Jahrhunderts.
Erst nach dem Ende der Monarchie und der Einführung der Weimarer Republik wird Emmy die Habilitation ermöglicht. Sie darf nun offiziell Vorlesungen halten.
Emmy wird zum Mittelpunkt einer Gruppe junger Mathematiker, den sogenannten „Noether-Boys“. Sie revolutioniert die abstrakte Algebra und veröffentlicht bahnbrechende Arbeiten über Idealtheorie, Ringe und Moduln.
Emmy hält einen Plenarvortrag auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Zürich – eine große Ehre und ein Zeichen internationaler Anerkennung.
Nach der Machtergreifung der NSDAP wird Emmy als Jüdin auf Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ die Lehrerlaubnis entzogen.
Emmy emigriert in die Vereinigten Staaten und nimmt eine Gastprofessur am Bryn Mawr College in Pennsylvania an. Sie lehrt außerdem am Institute for Advanced Study in Princeton.
Emmy Noether stirbt im Alter von nur 53 Jahren an den Folgen einer Operation. Die Mathematikwelt verliert eine ihrer brillantesten Köpfe. Albert Einstein würdigt sie in einem Nachruf in der New York Times.